Wolfgang Schulz

Wir-in-Pforzheim.de


 



 

 Trotz-dem Leben
                                      
Es klirren die Fahnen, steif und kalt.
Ringsum noch Morden und kein erbarmend Halt.
Schon zittert der braune Größenwahn,
gehetzt und stur auf seiner  Todesbahn.
In Schutt und Asche zerbirst die Welt,
und alles, was den Mensch im Innersten zusammen hält.
Hunger schreit es aus allen Hütten,  eiseskalt.
In Ketten kniet der Mensch vor der Gewalt.
Sein Leben erlöscht,  am düstergrauen Mauerstein,
verkümmert  alles,  alles Menschlich-Sein.
„Schenkt mir Söhne!“ der Führer schreit!
Wer ist zum Morden, wer zum Sterben noch bereit?
Das große Deutschland darf nicht sterben!          
Wir wollen doch die Welt beerben!
Für jeden Sohn kriegst du -  den Judaslohn!
In dieser Dornenzeit, oh welch ein Hohn!        
So drängt, von Mutter ungewollt, von dumpfer Lust beseelt,
und Vater, den kein Gewissen lange quält –
Ob Armut oder Größenwahn, ich weiß es nicht-
mein sanftes Leben doch zum Licht.
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Von Mutter verlassenen, im Haus der Zucht.
Von Schindern gequält mit kalter Wucht.
Vom Vater dem Führer so billig verkauft.
Mit welchem Irrsinn hat man mich getauft?
Nackt lag ich nun in schmutz`ger Straßenrinne,
Doch jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…
Der Mutter und jeder Heimat früh entrissen,
frag ich: Woher hat Hesse wohl sein Wissen?
                 
Nach allem hungernd, traumverlornes Kind,
Millionen auf der Erde sind.
Rastlos, fiebrig, oft dem Tode nah,
entwurzelt, nach dem Grunde suchend,
wütend noch sich selbst verfluchend.
Glücklich – lange nicht begreifend, was geschah.
Süchtig  nach den Kinderbildern, den hehren,
wo kein Geschöpf muss nichts entbehren,
Bilder, so traumhaft fremd, und oft verlacht!
es im Dunkel,  sprachlos,  blühend  ausgedacht.
Unsagbar schön, dass  kümmerlich zum Schluss,
jede Wirklichkeit verblassen muss.
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Gierig, alle geilen Sinne wüten,
Bricht es achtlos schönste Liebesblüten.
Sinn-entleert ins volle Leben braust,
lädt Schuld um Schuld, reißt tiefe Narben,
wenn früh sie welkten, früh sie starben,
in seiner kindlich unbeholfnen Faust.
Nichts konnt` diese  Sehnsucht stillen,
die aufgewühlt bei jedem Lebensruf, wo es!  erkoren,
die Lieb erbettelt. Doch war sie da und ihm zu Willen,
 wurd` sie schon blass und war verloren.
Denn,  gemessen an dem  Kinderwahn, dem schönen, 
war selbst die reichste Fülle nie genug,
war`s Verrat am heil`gen Bilde, dem es mußt` fröhnen!
schien jede Liebe - nur Abglanz und Betrug.
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Unendlich reich
hab` Alles nun in Dir  gefunden:
Liebe und Heimat! Frieden! Unbändige Lust!
Schon wollt` die Seele mir gesunden,
glücklich und satt lag ich an Deiner Brust.
Trauen, Glauben, Wissen um die tiefe Liebe,
hat uns  stolz und sanft vereint, uns nah gebracht.
Innigst flehten wir, dass es so bliebe,
Doch nach jedem Tag,  da  kommt die Nacht.
                         
Novembergraue Angst, Rom und Sonne war`n vorbei,
vergeblich verstummte unser Flehen, unser Ringen.
Und könnte mein Schmerz zum Schrei,
er würde die Welt verschlingen.
Am Grabe fasst` es der kleine Junge kaum ,
dass wieder Alles  ihm genommen.
Vorbei, der ew`ge  Kindertraum,
Erbarmungslos!  zum Alptraum ihm verkommen.
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Alles hab ich nun mit Dir verloren!
Doch – wenn  Alles wird zu Nichts,
und Nichts unzerstörbar  ewig
Alles neu gebärt –
Dann bleibst Du –  in meinem Sein!
Dann bleibst Du -  mir ganz nah!
Ein neuer Traum!  Der alte Wahn?
 

Blüte im Frost  

                        

 

Gramvoll verhüllt die Sonne ihr Gesicht

seit diesen fahlen Novembertagen.

Düstrer Nebel lastet klamm auf ihrer Brust,

kaum kann sie das Leid ertragen.

 

Das Damoklesschwert es hängt und kündet: Sie muss gehen!

Und hoch aus des Fluges ätherischen Höhen stürzt

lichtentflammte Herbstzeitfreude höllentief

in aufgepeitschte Ozeane kindesalter  Seelenwehen.

 

Und Gräue Tag um Tag

und Nacht sich unbarmherzig schicht‘

verlöscht das einst so hehre Augenlicht,

ihr Odem nicht mehr strömen mag.

 

Und ahnungsvoll von Stund‘ zu Stund`

Ihr Lächeln leiser, die gold‘nen Augen dunkeln.

Der Liebsten Hand die Dornenros‘ entfällt,

und sanft das letzte Funkeln.

 

Sie ist erloschen! – Sie blüht nicht mehr!

Todnachtgedunkelt liegt die Welt und Bitternis

vergällt des Lebens Süße. Und alle Honigblüten

ergeben sterbend sich der kalten Finsternis

 

Ihr Lachen ist nicht mehr – und Freude

flieht aus jedem Wort und allem Sein.

Die Nachtigall verstummt, ihr zartes Liebeslied

zerbricht am nächt‘gen Felsen stiller Pein.

 

Seht den alten Apfelbaum, wie trostlos er im Garten steht!

Wie rührend bettelt er um ihr  Erscheinen!

Seht die wilden Rosen, dürstig‘  ihrer Wiederkehr,

vertrocknen rasch, weil Tag und Nacht sie weinen.

 

Wie sehr hat sie und sehnsuchtsvoll erkoren,

des Herbstes milde ungebund‘ne Zeit.

Unbarmherzig früh fiel harscher Frost in ihre Blüte,

erstickt die süße Frucht und alle Herrlichkeit

 

Doch – da!  in dunkler Nacht,

ein zarter Lichtstrahl kündet leis‘ sich an:

Seht, die Sonne regt sich ewig fort in allem,

bricht kraftvoll strahlend ihre Bahn!

 

Und neues Sein entsteht in wundersamer Weise:

Erlöschen wandelt zart sich im Gebären, 

erschafft den schönsten Reim, das höchste Weltenwort 

das zag verkündet: Licht ist da, das Dunkel schwindet mählich fort!

 

 

 

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